Komm näher, kleiner Lauscher! Ich verrate dir ein Geheimnis, das nur die Ohren hören, die gern kitzeln: Im Zauberwald wohnt Prinzessin Amina Lilly. Sie trägt immer ihre lindgrüne Latzhose über dem fliederfarbenen Kleid und setzt ihre struppige Sonnenhut-Mütze schief auf den Kopf. Am liebsten trommelt sie mit den Fingerspitzen auf ihrer Nasenspitze, dabei klimpern winzige goldene Sommersprossen. Der Zauberwald duftet nach nassem Moos und süßen Himmelsbeeren, während bunte Käfer wie winzige Pfannkuchen durch die Luft summen. Heute früh hörte Amina Lilly ein leises „Wupp-wupp“ vom Waldboden. Zwischen den Wurzeln saß Herr Funkelbart: Sein Bart ist so lang wie vier Regenwürmer, immer voller Glitzersamen. Er wackelte die Zehen im Gras und sprach so langsam, als schmecke er jedes Wort: „Amina, heute wird’s wunderbar verwunderlich. Lausche mit deinem Herz, nicht bloß mit deinen Ohren.“ Amina trommelte auf ihre Nase und flüsterte: „Ich bin bereit für Wunder, Herr Funkelbart!“ Huch, hast du das auch gehört? Es kitzelt schon wieder im Ohr, als käme gleich die nächste Überraschung…
Plötzlich – knirsch, knirsch – leuchteten seltsame Fußabdrücke im Gras. Nicht einfach leuchten, sondern so, dass sie ein Kitzeln in den Zehen hinterließen, wenn man sie anschaute. Amina Lilly stupste ihren Sonnenhut zurecht und trommelte neugierig. „Sieh, Amina,“ murmelte Herr Funkelbart, „diese Glühspuren führen nie dorthin, wo dein Kopf will, aber immer dorthin, wo dein Herz kichert.“ Die Spuren schimmerten mal himmelblau, mal pflaumenlila, und duften nach frisch gebackenen Quatschkeksen. Amina Lilly tippelte auf den Fersen hinterher, jede Spur piekste wie ein Lachzauber. „Plitsch-platsch, auf Glühspur-Pfoten!“, sang sie leise. Herr Funkelbart ließ goldene Samen rieseln und nickte: „Immer weiter, doch lausche, was nicht gesagt wird.“ Der Zauberwald wurde plötzlich wie ein Flüstern, und sogar die bunten Käfer hielten inne. Wohin wohl diese Glühspuren führen? Spürst du auch das Kribbeln unterm kleinen Zeh?
Die Glühspuren führten im Zickzack an knallroten Pilzen vorbei, machten einen Purzelbaum um einen moosigen Baumstumpf und landeten vor einem Baum, der Quatschkekse trug. Die Kekse wippten wie kleine Hüte im Wind. Amina Lilly zwirbelte an ihrer Sonnenhut-Mütze und trommelte auf die Nase. „Darf ich probieren, Herr Funkelbart?“, kicherte sie. Funkelbart kniff ein Auge zu: „Nur, wenn du ein Ohr an die Rinde legst und horchst.“ Also legte Amina ihr Ohr, dann auch gleich ihr Herz an den Stamm. Der Baum summte: „Hörst du das Glucksen? Quatschkekse wollen geteilt sein!“ Amina brach den größten Keks entzwei. Da – noch hellere Glühspuren tauchten auf, hüpften über den Waldboden wie Seifenblasen. „Schenk weiter, folg dem Funkeln!“, wisperte der Baum. Amina schenkte Herrn Funkelbart das halbe Keksstück, beide bissen ab und trommelten kichernd auf ihre Nasen. Und schon zog die Glühspur weiter…
Die Glühspuren zeigten jetzt zum Glimmerteich. Still wie ein schlafender Pudding lag das Wasser da. Amina Lilly trommelte drei Mal auf die Nasenspitze – taps, taps, taps – und setzte sich ans Ufer. Herr Funkelbart ließ seinen Bart ins Wasser hängen, Glitzersamen ploppten leise auf die Oberfläche. „Was hörst du, Amina?“, krächzte er, als wolle er einen Frosch erschrecken. Amina lauschte – erst mit den Ohren, dann, als gar kein Ton kam, mit dem Herzen. Sie spürte das leise Stupsen der Glühspuren, das warme Prickeln im Bauch, das Flattern von Funkelbart’s Bart im Wind. Kein Wort, nur das Gefühl: „Weitergeben ist wie Glühspur-Staunen – es leuchtet, auch wenn man gar nichts sagt.“ Herr Funkelbart zwinkerte. „Wupp-wupp. Genauso, Kindchen.“ Amina schenkte ihm ein Blattboot aus Moos, er schenkte ihr einen Bartglitzer. Und die Glühspuren führten heimwärts…
Nach dem letzten Glühspur-Tanz huschten Amina Lilly und Herr Funkelbart durch den dämmernden Wald zurück. Die Fußabdrücke leuchteten jetzt ganz sanft – wie Wolkenschimmer auf den Zehen. Amina trommelte langsam auf die Nase, bis selbst die Käfer gähnten. Sie kuschelte sich ins weiche Gras, Herr Funkelbart setzte sich daneben und ließ seinen Bart wie eine Decke ausbreiten. Der Mond zwinkerte, das Licht wurde weich wie warmer Pudding. Der Wind summte ein Schlummlied, und die Glühspuren verblassten, als würden sie in Träumen weiterleuchten. Hörst du das? Ein zartes „Wupp-wupp“, das in den Schlaf schaukelt. Die Glühspuren, das Teilen, das Lauschen – das alles tanzt nun in Aminalillys Herz, und vielleicht, ganz vielleicht, auch in deinem. Gute Nacht, kleiner Glühspur-Entdecker…